Kapitalismus und Lohnarbeit abschaffen! – Naziaufmarsch zerlegen!

Auch dieses Jahr mobilisieren Neonazis wieder zu diversen Aufmärschen anlässlich des 1.Mai. Dies nehmen die Nazis als Anlass für einen angeblich antikapitalistischen nationalen Kampftag der ArbeiterInnen nach Schweinfurt zu mobilisieren. Doch schon alleine in der Begrifflichkeit zwischen Antikapitalismus und Nationalem Sozialstaat lassen sich nicht übersehbare inhaltiche Differenzen ausmachen.

Nationaler Arbeiter_innenkampftag?

Die welt­wei­te wirt­schaft­li­che Krise hat mehr oder we­ni­ger neue Den­k­an­stös­se in der neo­na­zis­ti­schen Rech­ten zu Tage ge­för­dert bzw. re­ak­ti­viert. So steht im Aufruf der Nazis zum 1.Mai ins verachtenswerte Schweinfurt, dass nur das Konstrukt des Nationalstaates alleine der Ordnungsrahmen für soziale Gerechtigkeit sei. Diesem soll nach deren Auffassung der „Raub­tier“-​Ka­pi­ta­lis­mus zerstörerisch gegenüber stehen, der die natürlich gewachsene Volksgemeinschaft zerstöre. Ins­ge­samt stelle die prak­ti­zier­te Volks­ge­mein­schaft den klas­sen­über­grei­fen­den Auf­stand aller Deut­schen gegen das dar, was ihnen als Ka­pi­ta­lis­mus gilt. In den Ideologien wird von Na­zi­sei­te weiterhin die schaf­fen­de, deut­sche Ar­beit in Stel­lung gegen die raf­fen­de Pro­fit­gier, „Zins­knecht­schaft“ und Zir­ku­la­ti­onss­phä­re ge­bracht. Sie zeigen sich hiermit in der Personifikation von gesellschaftlichen Verhältnissen, wie sie sich in den Reden von „gewissenlosen Spekulanten“, „Heuschrecken“ und „jüdischem Finanzkapital“ ausdrückt. Durch die Schaffung einer Volksgemeinschaft sehen sie die ka­pi­ta­lis­ti­schen Klas­sen­ge­gen­sät­ze auf­ge­ho­ben und die „na­tür­li­che Wirt­schaft“ wie­der­her­ge­stellt. In Deutschland formierte sich die völkische Nation bereits lange vor der Existenz eines deutschen Staates. Deshalb ist das ideologische Grundgerüst auch primär ein Völkisches. Dies äußert sich in einer biologisch definierten Volkszugehörigkeit zu einem imaginären organischen Gebilde und einem Bezug auf gemeinsame Kultur, Sprache und Geschichte. DeutscheR könne diesem Verständnis nach nur sein, wer auch „deutschen Blutes“ sei.

Raffendes Kapital? Halts Maul Kraut!

Die oben angeführten Kampfbegriffe, die von den selbsternannten „Nationalen Sozialisten“ auch in ihrem Aufruf für den 1.Mai gegen den Kapitalismus ins Feld geführt werden, sind an sich schon evident für den Hauptaspekt ihrer Kritik: die Trennung in „raffendens“ und „schaffendes“ Kapital. Unter den Terminus „raffendes Kapital“ werden von den rechten Antikapitalist_innen dann Adjektive wie geizig, parasitär, arbeitsscheu, und eben auch jüdisch subsumiert. Dem gegenüber werde das „gute schaffende Kapital“ von ersterem ausgebeutet und unterdrückt, der gut arbeitende Deutsche leide also unter der Übermacht der „Bonzen“. Eine solche Argumentation zeugt nicht nur von mangelndem Verständnis der komplexen Zusammhänge des kapitalistischen Produktionsprozesses, sondern zeigt auch auf, wie hier Sündenböcke für nicht verstandene Bestandteile der Verhältnisse, wie z.B. Waren- und Kapitalfetisch, gesucht und gefunden werden. Und wer kennt es nicht, die Szene am allabendlichen Stammtisch, wo der stolze Deutsche gegen „die da oben“ hetzt und die „Bonzen“ verteufelt. Dass solch verkürzte Kapitalismuskritik und eben auch Antisemitismus in der bürgerlichen Gesellschat flächendeckend auf Zustimmung stoßen, zeigt die Anschlussfähigkeit einiger Aspekte des Antikapitalismus der Nazis deutlich auf. Ein notwendiges Verständnis über den Kapitalismus als apersonales Verhältnis ist nicht zuletzt auch bei der deutschen Linken selten genug anzufinden.
Das Wesen des Kapitalismus ist immer und überall auf soziale Ungleichheit und Ausbeutung ausgerichtet. Das Geheimnis des kapitalistischen Ausbeutungsverhältnis, die Lohnarbeit als freie Form der Zwangsarbeit, wird bei allem Geschrei über gierige Manager_innen und Bänker_innen von den „Nationalen Sozialisten“ nicht nur ignoriert, sondern im Gegenteil sogar gefeiert.

1.Mai?! Lohnarbeit abschaffen anstatt abfeiern!

Desweiteren ignorieren die Neonazis konsequent die ursprüngliche Geschichte des 1.Mai. Der Historische Beginn des ArbeiterInnenkampftages war der 1. Mai 1886. In Chicago kam es in Folge der blutigen Niederschlagung eines Streiks zu mehrtägigen Straßenschlachten zwischen Staatsmacht und ArbeiterInnen. Wer nun aber meint, dass der 1. Mai, also der traditionelle Tag der ArbeiterInnen, mit emanzipatorischen Inhalten belegt sei, irrt. Der Tag der Arbeit glänzt seit jeher durch Verherrlichung von Arbeit und falscher, teils struktureller bis sogar offen antisemitischer Kapitalismuskritik. Vielmehr zeigt sich am Beispiel der Geschichte des 1. Mai die Unfähigkeit zu umfassender Kritik an Staat, Arbeit und Nation. Der Ruf, der durch alle politischen Lager hallt, ist der nach mehr Arbeit. Ob dieser von Gewerkschaft oder Staat kommt, ist dabei völlig dahingestellt. Beide kämpfen für einer Feier, die den Menschen in den kapitalistischen Verhältnissen als verwertbar erscheinen lassen, nämlich in der Bereitschaft die eigene Ware Arbeitskraft auf einem freien Markt anbieten zu können. Dabei wird nicht berücksichtigt, dass die stetig steigenden Arbeitslosenzahlen und die immer prekärer werdenden Arbeitsverhältnisse nur eine logische Konsequenz der Rationalisierung von Produktionsprozessen sind. Anstatt jedoch einen endgültigen Bruch mit dem System der Lohnarbeit einzufordern, wurde z.B. mit Harz IV, der Lohnarbeit willen, ein modernes Zwangsarbeitssystem installiert. Lohnabhängige tragen in erster Linie ihre Arbeitskraft nicht deswegen zu Markte, weil sie sich nichts anderes wünschen würden, sondern weil sie schlicht keine andere Wahl haben, der „stumme Zwang“ zur Lohnarbeit, d.h. zum Verkauf seiner/ihrer Arbeitskraft, ist allgegenwärtig. Gelderwerb in dieser Gesellschaft geht nur über Arbeit, und Geld braucht man in dieser Gesellschaft für nahezu alles. Also brauchen und wollen alle Arbeit und ob das dann Spaß macht oder nicht, ist eher zweitrangig. Die Arbeit als die Plackerei, wie die Vergangenheit sie einzig kennt, wird kaum mehr in Frage gestellt. Die Arbeit ist Annahme eines jedem Menschen deren Horizont die Totalität der Warengesellschaft ist. Selbst die radikale Linke hinterfragt nicht die eigene Radikalität, die nicht darin liegt, die Arbeit zu negieren.

Die Scheiße bennenen…

Wir leben in einer bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft, in der Staat und Kapital unser Leben ins kleinste Detail durchdringen und formen. Alle im Kapitalismus produzierten Güter werden zum Tausch hergestellt, und sind damit Waren. Diese Produktionsform unterwirft folglich alles dem Tauschprinzip und macht so die Warenförmigkeit zum einzigen Gültigen Prinzip der Gesellschaft. Damit ein Tausch der Waren allerdings überhaupt erst stattfinden kann, braucht es eine Ware die sich gegen die sich alle Waren tauschen lassen: Das Geld. Es drückt den Wert der jeweiligen Ware aus und wird zum allgemeinen Tauschäquivalent, mit dem sich jede Ware gegen eine andere tauschen lässt. In den oben beschriebenen gesellschaftlichen Aufbau treten die Menschen als vereinzelte Subjekte in Kontakt. Einerseits ist es die Ohnmacht und Vereinzelung der entfremdeten Arbeitersubjekte in der kapitalistischen Klassengesellschaft. Andererseits handelt es sich um einen Begriff, der Ausdruck des im Kapitalismus herrschenden Konkurrenzverhältnis ist, von dem alle Menschen betroffen sind. Im Zwang der Konkurrenz ist jeder auf sich selbst gestellt: Die Lohnarbeit stellt die tägliche Reproduktion der eigenen Entfremdung dar und ist gleichzeitig Ausdruck des Kampfes um das tägliche Brot. Eine Gesellschaft, die von Entfremdung und sozialer Kälte beherrscht wird, in der Menschen über andere Menschen regieren, und in der die politische Ohnmacht der Individuen durch das Spektakel des Konsumwahnsinns erstickt wird. Eine Gesellschaft, die Tag für Tag Menschen ins Elend stürzt, auf die Straße setzt, ausgrenzt, abschiebt und in Gefängnisse steckt.
Ein grundlegendes Fundament eben dieser Gesellschaft lässt sich im Staat erkennen. Der Staat ist weder einfach das Instrument „der Herrschenden“ noch ein Werkzeug für gesellschaftliche Veränderung. Der Staat, als Funktionszusammenhang, ist eben der Staat des Kapitals, da er als Gewaltmonopol die kapitalistische Eigentumsordnung aufrecht erhält sowie verwaltet. Er liefert den juristischen Rahmen des Elends der meisten Menschen im Kapitalismus. Jede Veränderung mit und durch den Staat führt ganz einfach zu einer Manifestierung der Kapitalverhältnisse und eben zu keiner Veränderung wie es von einer Linkspartei erhofft wird.

Gegen jeden Extremismus?

Was von der bürgerlichen Seite für den 1.Mai in Schweinfurt zu erwarten ist dürfte abzusehen sein. Sollte es nach der Bürgerinitiative Pro Schweinfurt gehen, würde es eine Veranstaltung gegen jegliche Art von Extremismus geben. Als grundlegendes Argument dient dabei immer der Verweis auf den Extremismusbegriff, der „Linksextreme“ völlig zusammenhanglos mit „Rechtsextremen“ gleichgesetzt. Hierfür werden inhaltliche Unterschiede zu gunsten der angeblich politischen „Mitte“ völlig ausgeblendet. Zudem wird radikal linke Gesellschaftskritik und antifaschistischer Widerstand mit den Ideologien der Nazis als ein und derselbe Problemfall genannt. Eine Differenzierung nach Einstellungen und politischen Zielen erfolgt also nicht. Durch den „Extremismus“ soll eine Bedrohung der Gesellschaft vorliegen. Die bürgerlich kapitalistische Mitte dieser Gesellschaft soll sich von diesen Extremen klar abgrenzen. Verkannt wird jedoch das rechte Ideologien wie Rassismus, Antisemitismus, Nationalismus sowie sexistische Rolleneinteilungen Basis der angeblichen politischen Vernunft, also der bürgerlich kapitalistischen Gesellschaft ist. Dieser Extremismusbegriff wird von der breiten Bevölkerung mitgetragen. Nach der Logik der „Extremismusformel“ gilt es, den demokratischen Rechtsstaat gegen politische Extreme zu verteidigen. Wir hingegen sollten den menschenfeindlichen bürgerlichen Staat als das bennenen was er ist und die konkreten Widersprüche aufzeigen.

Naziaufmarsch sabotieren!

Da wir uns als antifaschistische, radikale Linke verstehen, ist uns die Verhinderung des für den 1.Mai geplanten Naziaufmarsches eine Selbstverständlichkeit. Allerdings ist uns dies nicht genug. Vielmehr müssen notwendigerweise die ideologischen Inhalte einer Gesellschaft reflektiert werden, die es diesen Gruppen erst ermöglichen Fuß zu fassen. Auch aus diesem Grund lehnen wir eine Zusammenarbeit mit bürgerlichen Gruppierungen und Organisationen ab, die diese Ideologien trotz ihrer propagierten Ablehnung gegenüber den Nazis noch immer reproduzieren und die menschenverachtenden Verhältnisse bejahen. Dem völkischen, standortnationalistischen Konsens der bürgerlichen Gesellschaft ist die Vi­si­on einer klas­sen­lo­sen und be­frei­ten Ge­sell­schaft ent­ge­gen­zu­stel­len. Diese er­for­dert na­tür­lich die Ab­schaf­fung von Na­ti­on, Volk und Ka­pi­ta­lis­mus. Deshalb heraus zum 1.Mai nach Schweinfurt. Den Naziaufmarsch blockieren und mit dezentralen Aktionen entgegentreten. Ein Round-House-Kick die Pflicht.

- Kapitalismus und Lohnarbeit abschaffen! –
Für die befreite Gesellschaft! -

AK MAIFEUER im März 2010

Desweiteren haben die Nazis vom Freien Netz Süd einen weiteren Aufmarsch für den 1.Mai 2010 in Würzburg angemeldet. Da der Aufmarsch zu unterschiedlichen Zeiten angemeldet ist kann erwartet werden das sie um 13 Uhr in Schweinfurt und nachfolgend um 15 Uhr in Würzburg marschieren werden. Falls dies der Fall sein sollte werden wir die Infrastruktur so versuchen bereitzustellen, sodass eine Verhinderung beider Aufmärsche möglich wäre. Über Neuigkeiten halten wir euch auf den laufenden!

Falls ihr den Aufruf unterstützen wollt, schreibt eine Mail --> maifeuer@riseup.net